Martin Luther

Martin Luther stammt aus einem bürgerlichen Elternhaus. Sein Vater besaß ein Bergwerksunternehmen. Er besuchte die Lateinschule, sollte Jura studieren und später den Betrieb des Vaters übernehmen. Es kam aber anders. Er wurde Mönch und später von Friedrich dem Weisen an die Universität in Wittenberg berufen, wo er als Professor lehrte und die Bibel erforschte und auslegte. In Wittenberg lebte er – unterbrochen von vielen Reisen – fast 40 Jahre.

Luthers Wirken in Wittenberg machte die Stadt zum Zentrum der Reformation und verlieh der Universität großes Ansehen.

Luther und die Sprache

Stadtkirche St. Marien

Die Stadtkirche St. Marien war und ist Wittenbergs Bürgerkirche. Während die Schlosskirche von Friedrich dem Weisen als Fürsten- und Universitätskirche gebaut wurde, entstand die Stadtkirche als Pfarrkirche für die Wittenberger Bürger, die den Bau und Ausbau auch mitfinanzierten.

Zu der Professur an der Universität Wittenberg kam ein Predigtauftrag. Diesen übte Martin Luther an der Stadtkirche St. Marien, der Wittenberger Bürgerkirche, aus. Hier predigte er regelmäßig für die Bürger. Oft tat er dies mit sehr deutlichen Worten.

70 Predigten pro Jahr

In der Zeit von 1512 bis 1546 hat Martin Luther oft und regelmäßig gepredigt – zuletzt bis kurz vor seinem Tod. Von all seinen Predigten sind rund 2.000 Predigten erhalten. Während seiner 34jährigen Predigttätigkeit in der Stadtkirche hielt Martin Luther durchschnittlich 70 Predigten pro Jahr. Also mehr, als es Sonntage im Jahr gibt. ??Besonders bedeutsam waren Martin Luthers berühmte Invokavit-Predigten. Sie haben ihren Namen vom lateinischen Namen des Sonntags, an dem diese Reihe von acht Predigten begann. Während er auf der Wartburg die Bibel übersetzte, kam es in Wittenberg zur sogenannten Bilderstürmerei (https://de.wikipedia.org/wiki/Reformatorischer_Bildersturm). Martin Luthers Reformation wurde von einigen als Revolution verstanden und mit radikalen Schritten umgesetzt. Das hatte er nicht gewollt und dem musste Einhalt geboten werden. So hat er die Wartburg verlassen und mit seinen Invokavit-Predigten an acht aufeinander folgenden Tagen den Akteuren ins Gewissen geredet. So lenkte er die Reformation wieder in ruhigere Bahnen.

Mutterkirche der Reformation

Wegen der deutschsprachigen Predigten, wegen der Erneuerung des Gottesdienstes und des Abendmahls und wegen des gemeinsamen Singens von Kirchenliedern wird die Stadtkirche Wittenberg als „Luthers Predigtkirche“ und als „Mutterkirche der Reformation“ bezeichnet.

Johannes Bugenhagen

Auf Empfehlung Martin Luthers wurde Johannes Bugenhagen vom Rat der Stadt Wittenberg zum Stadtpfarrer gewählt. Auch durch seine Heirat bekannte er sich zum Protestantismus. Er war ein treuer Gefolgsmann, Freund und Beichtvater Luthers. Johannes Bugenhagen vollzog Martin Luthers Trauung mit Katharina von Bora und taufte ihre Kinder. Beide, Luther und Bugenhagen, predigten regelmäßig in der Stadtkirche. Seine Predigten waren im Gegensatz zu Luthers Predigten oft sehr lang.

Lucas Cranach

Lucas Cranach war schon zu Lebzeiten ein anerkannter Künstler. Kurfürst Friedrich der Weise holte ihn 1505 als Hofmaler nach Wittenberg und verlieh ihm ein Wappen, eine geflügelte Schlange, mit dem er von da an seine Werke signierte.

Cranach war nicht nur ein anerkannter Maler, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann und Stadtpolitiker. Er betrieb in Wittenberg eine Apotheke, eine Druckerei und einen Buchladen.

Die Cranach-Höfe sind noch heute in Wittenberg zu besichtigen. Zweimal wurde Lucas Cranach in Wittenberg zum Bürgermeister gewählt. Als Künstler zog er einen Werkstattbetrieb auf, in dem auch seine Söhne mitwirkten. Sein zweitgeborener Sohn Lucas übernahm später die Geschäfte des Vaters und trat auch als Bürgermeister in dessen Fußstapfen. Seitdem werden Lucas Cranach der Ältere (d.Ä.) und der Jüngere (d.J.) unterschieden.

Viele Werke beider Künstler finden sich in der Stadtkirche. Eines der bedeutendsten Werke ist die satirische Bildtafel vom Weinberg des Herrn, die zu ihrer Zeit großes Aufsehen erregte.

Es lohnt sich, die gereimte Erläuterung unten auf der Tafel zu lesen.