Martin Luther, Lucas Cranach und die Stadtkirche Wittenberg

Ein ganzes Jahr lang wird das 500jährige Reformationsjubiläum gefeiert. Was würde Martin Luther einem Besucher über seine Reformationsideen und über seine Rolle in der Stadtkirche erzählen? Was hätte er als ein Freund von Lucas Cranach zu berichten? 

500 Jahre Reformation

Es gab vieles, was dem nachdenkenden Mönch und Professor an der damaligen Kirche gestört hat. Ein erster Punkt war der Ablasshandel. Die Menschen fürchteten sich damals vor dem Fegefeuer nach ihrem Tod. Davon konnte man sich durch Kauf eines Ablassbriefes frei kaufen. Der Vergebung der Sünden gegen Geld widersprach Martin Luther vehement. Ihn störte auch, dass die Priester in der Kirche nur Latein sprachen. Das war die Sprache der Geistlichkeit, die aber nur sehr wenige Menschen verstehen konnten. Dazu kamen noch viele andere Dinge, die Martin Luther nicht für richtig hielt. Also hat er aufgeschrieben, was seiner Meinung nach geändert werden sollte. Dabei hat er nicht nur Kritik geübt, sondern auch Verbesserungsvorschläge gemacht: Die 95 Thesen. Diese wollte er mit führenden Geistlichen diskutieren. Also hat er lange Briefe geschrieben – an seinen Bischof und auch nach Rom. Und er hat seine Thesen an den Portalen der Wittenberger Kirchen anschlagen lassen. Kirchenportale waren zu Luthers Zeiten so etwas wie „Schwarze Bretter“. Also eine gute Möglichkeit, um seine Gedanken öffentlich zu machen. Dies geschah am 31. Oktober 1517. Damit begann die Reformation der Kirche. Für evangelische Christen ist der 31. Oktober – der Reformationstag – bis heute ein sehr wichtiger Tag. Und weil das genau 500 Jahre her ist, wird an diese Zeit und an all die Veränderungen, die damals von Martin Luther angestoßen wurden, ein ganzes Jahr erinnert. 

Veränderungen

Die durch die Reformation angestoßenen Veränderungen haben sehr viel mit Martin Luther zu tun. Er wollte, dass die Menschen selbst in der Bibel lesen und deren Botschaften verstehen können. Darum hat er die Bibel aus dem hebräischen und dem griechischen Urtext in eine allgemein verständliche Sprache neu übersetzt. Er hat die Obrigkeit aufgefordert, Schulen einzurichten, damit die Menschen lesen und schreiben lernen konnten. Martin Luther startete eine Bildungsinitiative. Wichtige Veränderungen betrafen den Gottesdienst. Bis zur Reformation wurde in der Kirche nur Latein gesprochen. Martin Luther wollte die Menschen direkt ansprechen und führte den Gottesdienst und die Predigt in deutscher Sprache ein. Er brachte Musik und Gesang in die Kirche, komponierte und dichtete viele Kirchenlieder, die bis heute gesungen werden. Eine weitere Reform betraf das Abendmahl. Brot und Wein wurden beim Abendmahl an die Gemeinde ausgeteilt. Das war früher nicht üblich.